Sensibilisierungsfilm für die DFG:
Wege zur Bias-Vermeidung in der wissenschaftlichen Begutachtung

Wie kann das Antragsverfahren der Deutschen Forschungsgemeinschaft so fair und offen wie möglich gestaltet werden? Ein Film mit erfahrenen Gutachterinnen und Gutachtern.

Credits

  • RegieMarina Kem
  • ProducerMaite Roselius,
    Lena Albrecht
  • RegieassistenzViry Kem
  • KameraChris Kurr,
    Simon Hollmann
  • TonHennig Jäger,
    Christoph Bock
  • IllustrationKathleen Uebigau
  • PostproduktionAlex Holthaus

Eckdaten

  • KundeDeutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • FormatSensibilisierungsfilm, Weiterbildungsfilm
  • GenreWissenschaftskommunikation
  • Veröffentlichung14. August 2023
  • Länge5 Minuten
  • SprachfassungenDeutsch, Englisch, barrierefrei (mit Audiodeskription)
  • ZielgruppeDFG-Gutachtende, Mitglieder von Fachkollegien, Senat und Hauptausschuss, wissenschaftsinteressierte Öffentlichkeit, Politik, Presse
  • EinsatzkontextDFG-Schulungen für Gutachtende, Online-Auftritt der DFG, Veranstaltungen, wissenschaftspolitische Debatten
  • DrehorteKöln: Universität & Universitätsklinikum, Hamburg: Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI)
  • ProduktionsfirmaSterntaucher Filmproduktion GmbH

Über das Projekt

Die Herausforderung: Faire Begutachtung trotz unbewusster Voreingenommenheit

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert deutsche Spitzenforschung durch ein dreistufiges Antragsverfahren, das auf wissenschaftlichem Wettbewerb und Peer-Review basiert. Tausende Forschungsanträge werden jedes Jahr von ehrenamtlichen Gutachterinnen und Gutachtern bewertet — Fachleute aus aller Welt, die ihre Zeit und Expertise zur Verfügung stellen, um die Qualität der deutschen Forschungslandschaft zu sichern.

Doch jeder Mensch trägt unbewusste Voreingenommenheiten — Implicit Bias — mit sich, die in Entscheidungen einfließen können. Geschlecht, Herkunft, Karrierestufe, Sprache, Bekanntheit der antragstellenden Person, ja sogar die Reihenfolge, in der Anträge gelesen werden, kann unterschwellig beeinflussen, wie Gutachten ausfallen. Für eine Förderorganisation, die Fairness und Chancengleichheit als Kernwerte versteht, ist das eine zentrale Herausforderung.

Die Lösung: Ein Sensibilisierungsfilm mit Stimmen aus der Praxis

Der Sensibilisierungsfilm, den die Sterntaucher Filmproduktion 2023 für die DFG produziert hat, geht genau dieser Frage nach: Wie kann ein Begutachtungsverfahren so fair und offen wie möglich gestaltet werden? Was zeichnet ein gutes Gutachten aus? Und welche konkreten Schritte können einzelne Gutachterinnen und Gutachter ergreifen, um Voreingenommenheit aktiv zu vermeiden?

Im Film teilen erfahrene Gutachterinnen und Gutachter ihre Sicht auf den Begutachtungsprozess. Sie reflektieren über typische Fallstricke und beschreiben, welche Strategien sie persönlich entwickelt haben, um eigene Bias zu erkennen und zu hinterfragen — von strukturierten Bewertungsrastern über bewusste Pausen vor der Entscheidung bis zum offenen Austausch innerhalb der Fachkollegien. Eine Illustration von Kathleen Uebigau begleitet die Gespräche und macht abstrakte Mechanismen sichtbar.

Das Ergebnis: Ein Film, der Schulung, Diskurs und Inklusion verbindet

Sterntaucher hat den Film in deutscher und englischer Sprachfassung produziert. Eine barrierefreie Version mit Audiodeskription wurde ebenfalls realisiert, sodass das Sensibilisierungsangebot auch Menschen mit Sehbehinderung zugänglich ist. Der Film wird seitdem in DFG-Schulungen für Gutachtende, im Online-Auftritt der DFG und auf Veranstaltungen eingesetzt — und ist damit fester Bestandteil der DFG-Bemühungen um faire wissenschaftliche Begutachtung.

Neurowissenschaftler am Schreibtisch mit Laptop und Fachbuch, im Hintergrund MRT-Aufnahmen — Szene aus dem DFG-Implicit-Bias-Film
Botanikerin im rosa Rollkragenpullover geht durch ein Forschungs-Gewächshaus mit tropischen Pflanzen
Wissenschaftlerin analysiert Forschungsdaten an zwei Bildschirmen mit Diagrammen und Visualisierungen
Botanikerin untersucht mit Augmented-Reality-Brille ein Pflanzenblatt im Gewächshaus — moderne Methoden der Pflanzenforschung
Infografik aus dem Film: Studie von Huber et al. (2022) zeigt, wie Renommee von Autorinnen und Autoren das Peer Review beeinflusst
Drei Wissenschaftlerinnen im fachlichen Austausch über einen Forschungsantrag — kollegiale Begutachtungssituation

Was zeigt der Film

Die Verantwortung der Gutachterinnen und Gutachter

Der Film eröffnet mit Stimmen aus der Praxis:

"Als Gutachterinnen und Gutachter tragen wir große Verantwortung. Wir entscheiden, ob ein Forschungsprojekt umgesetzt werden kann oder nicht. Das hat Auswirkungen auf wissenschaftliche Karrieren."

Genau deshalb sei es entscheidend, das Thema Voreingenommenheit immer wieder neu zu reflektieren und die eigene Haltung kritisch zu prüfen. Voreingenommenheit gegenüber Stereotypen, Geschlecht oder Herkunft dürfe keinen Platz im Begutachtungsprozess haben, weil sie zu Ungerechtigkeit führe. Eine Gutachterin formuliert es so:

"Das ist eine Herausforderung. Es ist manchmal unbequem. Es verlangt von uns, unsere Haltung zu hinterfragen. Es erfordert vermutlich auch einen Kulturwandel — und das ist immer ein anspruchsvoller Prozess."

Wie unbewusste Voreingenommenheit funktioniert

Der Film veranschaulicht das Phänomen anhand von KI-generierten Portraitbildern. Keines zeigt eine reale Person — und doch erscheinen uns einige sympathischer oder kompetenter als andere. Unser Denken läuft über automatisierte Bewertungsprozesse, die uns im Alltag schnelle Entscheidungen ermöglichen, gleichzeitig aber von unbewussten Vorannahmen geprägt sein können.

Genau diese Mechanismen können sich auch in die Bewertung von Forschungsprojekten einschleichen. Damit Entscheidungen Chancengleichheit ermöglichen und auf wissenschaftlichen Kriterien beruhen, müssen solche Verzerrungen so weit wie möglich vermieden werden. Niemand soll aufgrund nicht-wissenschaftlicher Faktoren an einer akademischen Laufbahn gehindert werden. Die DFG vertritt die Position, dass eine Vielfalt an Perspektiven und Erfahrungen die Qualität der Forschung erheblich steigern kann.

Was Studien zur Befangenheit im Peer Review zeigen

Der Film zitiert vier wegweisende Untersuchungen, die das Ausmaß von Implicit Bias im wissenschaftlichen Begutachtungsprozess belegen:

Huber et al. untersuchten am Beispiel einer verhaltensökonomischen Fachzeitschrift, wie die Bekanntheit der antragstellenden Person das Peer-Review-Ergebnis beeinflusst. Identische Manuskripte wurden je nach angegebener Autorenschaft unterschiedlich bewertet.
Murray et al. zeigten für eine Life-Science-Zeitschrift: Je homogener Einreichende und Begutachtende waren, desto höher fielen die Annahmequoten aus.
Turrentine et al. wiesen für US-amerikanische Empfehlungsschreiben im Bereich Chirurgie nach, dass die zur Beschreibung von Bewerberinnen und Bewerbern verwendeten Adjektive Geschlechterstereotype widerspiegelten.
Lippens et al. stellten in ihrer Auswertung englischsprachiger Studien fest, dass Menschen mit Behinderungen, ältere Personen und Personen mit erkennbaren ethnischen Merkmalen signifikant seltener positive Rückmeldungen auf ihre Bewerbungen erhielten.
Eine im Film befragte Gutachterin bringt es auf den Punkt:

"Es ist erschütternd zu sehen, wie groß der Einfluss von Voreingenommenheit im Peer-Review-Prozess ist — und wie messbar."

Strategien für faire, kriteriengeleitete Begutachtung

Die im Film befragten Gutachterinnen und Gutachter beschreiben konkrete Wege, um eigene Bias zu erkennen und zu hinterfragen.

"In der Begutachtung muss ich objektiv sein, und das ist keinesfalls einfach. Selbst wenn ich Namen ausblende oder gar nicht erst hinschaue — in meinem Fachgebiet lese ich oft zwischen den Zeilen. Wer ist das? Ein Mann? Eine Frau? Aus Deutschland? Aus dem Ausland? Auf solche Fragen müssen wir uns immer wieder konzentrieren."

Drei Empfehlungen ziehen sich durch die Aussagen:
1.) Sich Zeit nehmen und gründlich nachdenken.
Schnelle Bewertungen begünstigen automatisierte Urteile. Bewusste Pausen helfen, eigene Voreingenommenheit zu erkennen.


2.) Sensibilisierung und Selbstkritik.

"Es ist entscheidend, Menschen zu trainieren und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Gutachterinnen und Gutachter selbstkritisch sein müssen."

Im Begutachtungssetting muss klar sein: Bewertet wird nicht die Person, sondern die Forschung.


3.) Klare Leitlinien strikt anwenden.

"Wir brauchen ganz klare Vorgaben — und die haben wir. Wir müssen uns fragen: Mache ich das richtig? Halte ich mich an die Leitlinien, oder weiche ich ab?"

Ebenso zentral: Bewertung und Beurteilung sollten ausschließlich auf Grundlage der eingereichten Antragsdokumente erfolgen. Der Film schließt mit einer klaren Botschaft: Diversität und Gleichberechtigung sind untrennbarer Bestandteil exzellenter Forschung. Sich des Themas Voreingenommenheit bewusst zu werden, ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg.

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Anfrage an die Sterntaucher Filmproduktion

Rufen Sie gern bei Producerin Viry Kem an, um sich unverbindlich
von der Sterntaucher Filmproduktion beraten zu lassen.

Porträtfoto von Viry Kem – junge Frau mit Brille und weißer Bluse vor dunklem; Teambild auf sterntaucher-filmproduktion.de.

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Aufgabe von Sterntaucher im Projektablauf

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